Radsätze Bahn
Project Manager: Katharina Moitzi
Katharina Moitzi

Radsatzmanagement von Morgen (part 2)

Beitrag vom 14. September 2021

In unserem letzten Beitrag zum Thema Radsatz Management und dessen Herausforderungen sind wir auf die Details rund um die DIN EN 15313:2016 eingegangen. Darin haben wir aufgezeigt, wie gut die Anforderungen einer umfangreichen Dokumentationspflicht mit digitalen Hilfestellungen zu bewältigen sind. Dieser Artikel soll nun einige Details rund um den Instandhaltungsprozess eines Radsatzes und vor allem die Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen EVU und dem mit der Instandhaltung beauftragen Partner beleuchten.

Beim bereits 2. RailVoice Webinar am 16.09.2021 diskutieren internationale Experten aus verschiedenen Bereichen des Radsatzmanagements Innovationen und Ansätze, um die Lebensdauer eines Radsatzes zu verlängern und die Lebenszykluskosten zu senken.

“Zuverlässige Daten aus der Radprofilmessung sind der Schlüssel zur vorausschauenden Instandhaltung.” – Peter Lehofer, NEXTSENSE GmbH.


 

Neue Wege der Revision von Radsätzen

Bei der Revision von Radsätzen hat ein EVU im Wesentlichen drei Möglichkeiten: Die erste – und beinahe komplett aus der Mode geratene – Option ist die Eigeninstandhaltung. Dabei ist das EVU verpflichtet, eine komplett zertifizierte Instandhaltungseinrichtung zu betreiben. In erster Linie ein sehr aufwendiges und kostspieliges Unterfangen. Vor allem Letzteres ist oft Grund genug, um Instandhaltungsaufgaben an zertifizierte externe Stellen zu vergeben. Auf Belastungsspitzen wird auf Grund der Flexibilität und oft variabler Kapazitäten besser reagiert. Der externe Anbieter lässt Fixkosten für eine interne Instandhaltungseinrichtung verschwinden, und ermöglicht es den EVUs gänzlich bedarfsorientiert zu kalkulieren. An dieser Stelle hakt die dritte Möglichkeit ein – das Mieten von mobilen Instandhaltungsmaschinen. In vielen Fällen kann es von großem Vorteil sein, Wagenmaterial nicht erst zum Instandhalter bringen zu müssen. Eine Reprofilierung vor Ort schafft hier Abhilfe. Durch einen modernen Ansatz mobiler Reprofilierungsmaschinen ist dies gewährleistet.

Nun selbst bei der Wahl der grundlegenden Instandhaltungsstrategie gilt es für den Betreiber, fundierte Entscheidungen zu treffen. Es müssen Verschiedene Rahmenbedingungen evaluiert werden. Doch woher kommen die Daten für diese Evaluierung? Und viel wichtiger – wann sind die nötigen Daten verfügbar? Dies muss aktuell wohl jeder Betreiber bzw. jeder Instandhalter für sich selbst beantworten. Dennoch gilt: je früher Daten verfügbar sind, desto besser für alle Stakeholder. Oftmals müssen Daten und Berichte manuell angefordert werden, Verfügbarkeiten von Werkstätten nach dem Pull Prinzip erfragt und Messberichte verglichen werden. Dabei ließe sich all das im Jahr 2021 schon um ein vielfaches ressourcenschonender bewerkstelligen – und das nur in einem Bruchteil der Zeit.

 

Verschleißdaten als Schlüssel für Effizienz und Zuverlässigkeit

Werfen wir noch einen Blick auf die Instandhaltungsaktivitäten in der Werkstatt. Vor allem bei der Reprofilierung werden unterschiedliche Parameter durch die Stärke des Verschleißes bestimmt. Welche Schnitttiefe muss gewählt werden? Welche Antriebsleistung der Bearbeitungsmaschine steht zur Verfügung und welche Bauformen von Bearbeitungsmaschinen sind vorhanden? All diese Fragen sind vor Beginn der Instandhaltung zu klären. Dabei können Daten aus dem Betrieb des Radsatzes einen entscheidenden Vorteil liefern. Vor allem wenn es um die Arbeitsplanung in der Werkstatt geht. Hier die Prozesse zu verschlanken, durch das Vorab-Bereitstellen von Daten, wäre ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung.

Kurz gesagt, ist es ein enormer Vorteil, wenn man Betriebsdaten des Radsatzes – mehr oder weniger eine Live-Verschleißuntersuchung – zu jedem Zeitpunkt parat hat. Dies lässt zwar Detailprüfungen in der Werkstatt nicht obsolet werden, aber es würde Werkstätten eine Art Vorausschau auf die durchzuführenden Maßnahmen ermöglichen. Und auch für die Bedarfsplanung der Betreiber sind diese Daten entscheidend. Aber wie könnte das von statten gehen?

Das flächendeckende Sammeln von Verschleißdaten vorausgesetzt, hätte man die Möglichkeit, durch das in Verbindung setzen verschiedener Parameter, aus historischen Daten zu lernen. Man könnte sich als Betreiber sein eigenes Modell zusammensetzen, das einem hilft, den eigenen Bedarf an Radsätzen mit teils hoher Genauigkeit vorherzusagen. Weiß man zum Beispiel Bescheid, dass im kommenden Quartal ein Großteil der eigenen Züge über einen Bahnkorridor mit harten Steigungen fahren wird – zudem mit stets maximaler Beladung und der Jahreszeit entsprechend von sehr hoher Luftfeuchtigkeit umgeben – so kann ein erfahrener Bedarfsplaner bestimmt schnell schlussfolgern, dass der Bedarf an Radsätzen etwas höher sein wird, als vielleicht noch im Vergleichsquartal des Vorjahres. Doch wieviel ist „etwas höher“? Der Antwort auf diese Frage kommt man nur mit fundierter Datenanalyse näher.

 

Lange Lieferzeiten stellen große Herausforderung dar!

Lange Lieferzeiten von Radsätzen, Kapazitätsengpässe in Werkstätten & überhöhte Lebenszykluskosten von Radsätzen hat man mit der Analyse von Betriebsdaten unter Kontrolle. Es gilt die Zusammenhänge zu verstehen. Oft können kleine Details den Ausschlag geben. Ist der Radsatz stark verschlissen sind Instandhaltungsmaschinen mit hohen Antriebsleistungen gefragt, um eine akzeptable Durchlaufzeit beim Reprofilierungsprozess gewährleisten zu können. Handelt es sich um leichten Verschleiß und es wäre für den Betreiber günstig das Wagenmaterial nicht zum Instandhalter transportieren zu müssen, kann auf eine mobile Reprofilierungsmaschine zurückgegriffen werden. Am Ende des Tages hängt alles von Informationen ab, die lange bevor ein gesetzlich vorgeschriebener Instandhaltungstermin oder gar ein Gebrechen eintreten würde, verfügbar sein müssen, um die nächste Stufe der Effizienz in der Instandhaltung von Morgen zu erreichen.

 

Aktuell wirken die Anforderungen an Wagenmaterial und interne Prozesse enorm. Deswegen benötigt es eine schrittweise Adaptierung und die frühzeitige Definition von Schnittstellen, um sich peu a peu dem Ziel einer „smarten“ Instandhaltung zu näheren. Anlässlich dieser Herausforderungen diskutieren Radsatz- & Instandhaltungsexperten gemeinsam mit Prozess- & Softwareexperten, wie man jetzt handeln muss, um auf Morgen vorbereitet zu sein.

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