Bettina Lamprecht

Digitalisierung als Schlüsselfaktor für Prozessoptimierungen bei DB Cargo

Beitrag vom 17. Dezember 2020

Täglich sind von der DB Cargo 2.732 Züge im Einsatz um für ein entsprechendes Angebot auf Schiene zu sorgen (Quelle: Deutsche Bahn Daten & Fakten 2019). Damit der reibungslose Gütertransport sichergestellt werden kann, müssen Abläufe optimal funktionieren. Hierfür bilden Innovationsfähigkeit und Umsetzungsstärke die treibende Kraft. Aus diesem Grund hat der DB Konzern die Unternehmensstrategie Starke Schiene ins Leben gerufen, in der die Digitalisierung einen überaus wichtigen Betrag leistet.

Herr Kühnast sorgt in seiner Position als Senior Project Manager bei DB Cargo für digitale Transformation im Unternehmen. In einem Interview hat er uns näheres über die Digitalisierung im Betrieb erzählt.

Unerwartete Gebrechen oder Störungen am Schienenfahrzeug bringen nicht nur finanzielle Risiken mit sich, sondern auch einen hohen organisatorischen Aufwand. Mit welchen Technologien oder Maßnahmen wirken Sie solchen außerplanmäßigen Instandsetzungen entgegen?

Die DB Cargo hat ein eigenes Programm aufgesetzt um sich gezielt mit dieser Thematik zu beschäftigen. Im Rahmen des sogenannten Asset Automatization & Digitalization (AAD) Programms beschäftigen wir uns mit den gesamten Abläufen rund um das Thema Asset. Ziel in den Projekten ist es die Prozessabläufe weiter zu optimieren und die Assets bestmöglich einzusetzen sowie alle am Transport Beteiligten frühzeitig zu informieren. Dabei sollen sowohl unsere Kunden als auch unsere Kolleginnen und Kollegen von der Digitalisierung profitieren.

 

Wie haben sich diese eingesetzten Maßnahmen auf die Verfügbarkeit Ihrer Flotte ausgewirkt? Ist eine Steigerung der Verfügbarkeit im Vergleich zu vorher sichtbar? Wenn ja, in welcher Höhe?

Seit dem Projektstart konnten wir die Anzahl an sogenannten „vermeidbaren Werkstattweiterverfügungen“ kontinuierlich senken. Im ersten Schritt wurden Prozesse angepasst und die Mitarbeiter sensibilisiert. Seit Mitte 2020 optimiert das neu eingeführte IT System „iSWM“ die automatische Zuführung. Dabei werden verschiedene Variablen bei der Auswahl einer Werkstatt berücksichtig, wie z.B. das prognostizierte Instandspaket, Verkehrsströme und Werkstattkapazitäten. Der neu entwickelte Steuerungsalgorithmus wird jetzt sukzessive mit weiteren Datenquellen ergänzt und über Machine learning weiter ausgebaut. Wir erwarten in der Endausbaustufe circa 6.500 vermeidbare Werkstattweiterverfügungen pro Jahr reduzieren zu können. Des Weiteren kann durch die Kapazitätsabfragen der Werkstätten und der Produktionsanlagen die Zuführungsplanung besser und genauer gesteuert werden. Dies sorgt für eine bessere Vorplanung innerhalb der Werkstätten und der Folgeprozesse, z.B. die Bestellung von Materialien, kann früher angestoßen werden. Ziel des Projektes ist nachhaltig die Ausfallzeit von Güterwagen zu reduzieren und damit den produktiven Anteil zu erhöhen. Zusätzlich erzeugen wir eine höhere Transparenz im Prozess, sodass Fehler schneller identifiziert und manuell korrigiert werden können. In Summe rechnen wir mit einer Ergebnisverbesserung von mehr als einer Million Euro pro Jahr.

 

Sind Ihre Fahrzeuge bereits ausreichend mit IoT-Devices ausgestattet, damit man AI sinnvoll einsetzen kann?

Bis Ende 2020 wird DB Cargo alle eigenen Güterwagen mit GPS-Geräten ausgestattet haben. Ein Teil dieser Fahrzeuge hat weitere Sensorik verbaut, wie z.B. Stoß-Sensorik oder Last- / Leer Erkennung.
Für die Schadwagenzuführung nutzen wir dabei zunächst nur die aktuellen Standortdaten. Über die Anbindung an das DB Data Lake können wir aber perspektivisch die gesamthaften Daten nutzen und Maßnahmen rechtzeitig einleiten damit Schadwagen rechtzeitig in die passende Werkstatt gesteuert werden können.

 

Wie sehen Sie den Innovationsgrad der DB Cargo im Vergleich zu anderen Cargo Unternehmen?

Mit den zahlreichen Digitalisierungsinitiativen im Bereich des Schienengüterverkehrs bei DB Cargo sehe ich uns sehr gut aufgestellt für die Zukunft. In einigen Themen sind wir europäischer Branchenprimus, wie zum Beispiel bei der Vernetzung von den Kunden mit DB Cargo über Link2Rail. In der Konzernstrategie Starke Schiene werden die Digitalisierungsthemen eine zentrale Rolle einnehmen.

 

Zurück zur Übersicht
Fokus auf
Bahn
Blog
Bora
Die Herausforderungen auf der Schiene 2021: digitaler Mauerfall zwischen ECM2 & ECM3
Beitrag vom 14. Januar 2021

2021 steht für uns bei Boom Software unter dem Motto „Effizienz auf der Schiene programmierbar machen“.

Mehr
Katharina
EVUs auf Erfolgskurs: mit Lean Smart Maintenance an die Spitze
Beitrag vom 28. Januar 2021

Die Lean Smart Maintenance steigert nicht nur die Effizienz, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Werkstätten. Sie stellt auch klar einen betriebswirtschaftlichen und strategischen Vorteil für EVUs dar!

Mehr
Roman
Smart-Data und die Schiene: EVUs in der Pflicht
Beitrag vom 10. Februar 2021

Sensoren ermöglichen die Erfassung einer Vielzahl von Daten, die in Echtzeit Informationen über den Zustand von Schienenfahrzeugen liefern.

Mehr